So, nach etwa drei Monaten Blog-Pause halte ich es nicht mehr aus, ich muss mich unbedingt auskotzen. Worüber? Na über diesen unsäglichen Quatsch, der landauf, landab gerade als Anti-Piraten-Kampagne verfasst wird.
Ein paar Vorbemerkungen: 1. Ich wähle die Piraten - zumindest auf absehbare Zeit - nicht. 2. Ich habe in meinem Leben noch nie irgendetwas illegal heruntergelanden. Meine Rechte-Verletzungen im Netz beschränken sich darauf, etwa zehn Mal irgendwelche Fußballspiele auf irgendwelchen irakischen Sendern geguckt zu haben als ich noch kein kräftig zahlender Sky-Kunde war.
Und jetzt lese ich gerade (in meiner ordentlich bezahlten iPad-Version des Spiegels) ein Essay von Dirk Kurbjuweit, in dem es um Piraten geht, um Urheberrechte und Kinderpornos und ominöse Netzmenschen allgemein. Und denke: "Aua".
Ein paar Highlights (von §51 UrhG abgedeckt):
"Vielleicht findet es der eine oder andere Netzmensch spießig, dass Beleidigungen unter Strafe stehen"
"Er (der Shitstorm - oko) ist eine Strafmaßnahme außerhalb der Rechtsordnung, ist Selbstjustiz, zum allergrößten Teil anonym"
"Der harte Kern (der Internetgemeinde - oko) will Freiheit zur Anonymität und billigt damit die Möglichkeit zum 'Shitstorm', zum digitalen Mob, der andere ungestraft mit Schmähungen übelster Art überziehen kann, und er will die Freiheit vom Urheberrecht. Das alles möglichst total: totale Freiheit im Netz".
"Das Internet beginnt langsam den Diskurs zu lenken, auf eine unerträgliche Weise."
Für Herrn Kurbjuweit gibt es - irgendwo da draußen, auf jeden Fall außerhalb seiner Lebenswelt - also eine Internetgemeinde (muss irgendwas religiöses sein), der lauter krawallige Netzmenschen angehören. Diese Gemeinde beschäftigt sich laut Kurbjuweits "Essay" hauptsächlich mit a) Killerspielen b) Kinderpornographie c) anonymen Beleidigungen und d) Lynchmobs zu organisieren. Zumindest sind das seine Themen, seine Schlussfolgerung lautet sinngemäß: "Auch im Internet müssen Gesetze gelten".
Man könnte das ganze Ding als Ansammlung von Humbug abtun, aber dummerweise steht der Quatsch im Spiegel, zum Beispiel mein Schwiegerpapa hat den im Abo, viele seiner Generationen lesen das Blatt regelmäßig. Sowas verbreitet sich weiter. In Lehrerzimmern, Vereinsheimen, in Kantinen, in überalterten Redaktionen und so weiter.
Deshalb jetzt ein für allemal: ES GIBT KEINE INTERNETGEMEINDE, ES GIBT KEINE NETZMENSCHEN und ES GIBT NICHT DAS INTERNET.
Facebook hat in Deutschland über 20 Millionen Nutzer, sind die die Internetgemeinde? Oder zählen auch Gelegenheitsnutzer dazu - so wie meine Mutter, die stolz ihren neuen Kuchen "aus dem Internet" auf die Kaffeetafel stellt? Oder nur die Hardcore-Ober-Nerds, die den ganzen Tag chatten, killerspielen, illegal downloaden? Was ist mit mir? Gesetzestreu (s.o.) und doch beruflich und privat fast den ganzen Tag im Netz unterwegs? Netzmensch?
Jetzt mal Klartext, Kurbjuweit und sonstige Urheber, die ihr mit schlotternden Knien vorm Phänomen der Piraten steht:
Ihr habt Angst vor den Menschen. Die können mit Hilfe des Netzes nämlich plötzlich Sachen machen, die früher nicht gingen. Massenhaft ihre Meinung äußern zum Beispiel. Meinetwegen als Shitstorm. Was ist das anderes als eine Demonstration, die bei Twitter und in Blogs abläuft? Anonym sind da übrigens die wenigsten unterwegs, ein Blog braucht ein Impressum, bei Twitter registriert man seinen Namen.
Ihr habt auch Angst vor der Kreativität der Menschen. Die haben plötzlich ein Medium zur Verfügung, in dem sie "einfach so" ihre Werke präsentieren können. Ohne Verlag, ohne Agent, ohne Plattenvertrag. Und plötzlich fällt euch auf: Oh, da haben Leute Erfolg. Plötzlich fällt dem Publikum auf: Oh, unsere Stars kochen auch nur mit Wasser, es gibt tausende Talente da draußen. Und plötzlich fällt all den Verlagen, Agenten und sonstigen Mittelsmännern auf: Oh, man braucht uns gar nicht unbedingt.
Anmerkung vom 17. Februar 2013: Diesen Text habe ich gerade unter den Entwürfen entdeckt. Aus irgendeinem Grund habe ich ihn nicht veröffentlicht. Mache ich jetzt mal 10 Monate später, auch wenn die Piraten sich ja gerade mal wieder erledigt haben.
Donnerstag, 5. April 2012
Samstag, 7. Januar 2012
Drei Mann, eine Frau, eine Gitarre - und Käpt'n Haddock
Oha, 2012 wird offenbar ziemlich musiklastig. Aber egal, diese Art des Gitarrespielens musste ich einbinden.
(via: Stefan Bergmann)
Montag, 2. Januar 2012
Die Ärzte aus Berlin (auuuus Berlin) als Netzpioniere
Die beste Band der Welt hat 2001 offenbar ein Internet-Wunschkonzert gegeben. Erst knapp 3000 Views auf Youtube sind definitiv viel zu wenige.
(via: Andreas Hausmann)
Freitag, 9. Dezember 2011
Schnell gucken, auf jeden Fall lesen
Zur Zeit lese ich den Roman "In Zeiten abnehmenden Lichts" von Eugen Ruge. Das ist sicher kein Geheimtipp, das Buch verkauft sich nämlich wie geschnitten Brot.
Ganz kurz der Inhalt: Es geht drei Generationen einer Familie und ihren Niedergang (und den ihres Landes, der DDR). Das Gänze erfahren wir aus sieben Perspektiven, immer wieder erhält man Einblicke aus verschiedenen Jahren zwischen 1952 und 2001. Gibt's im Buchhandel, ich lese es gerade als erstes eBook auf dem iPad und iPhone (ist auch billiger, 16,99 statt 19,95 Euro).
Worauf ich aber unbedingt hinweisen muss: Noch bis Sonntag (11.12.) steht in der Mediathek von Arte (sie heißt glaube ich Arte +7, es gibt sie auch als App) eine Dokumentation zur Verfügung über Rüge und die Entstehung des Romans zur Verfügung. Und man kann diese sogar hier einbinden:
Ich fand diese sehr spannend, da man dort Einiges zu Ruge, seiner Geschichte und den Vermarktungsmechanismen der Buchindustrie erfährt. Aufmerksam geworden bin ich auf den Film durch einen taz-Artikel.
Ganz kurz der Inhalt: Es geht drei Generationen einer Familie und ihren Niedergang (und den ihres Landes, der DDR). Das Gänze erfahren wir aus sieben Perspektiven, immer wieder erhält man Einblicke aus verschiedenen Jahren zwischen 1952 und 2001. Gibt's im Buchhandel, ich lese es gerade als erstes eBook auf dem iPad und iPhone (ist auch billiger, 16,99 statt 19,95 Euro).
Worauf ich aber unbedingt hinweisen muss: Noch bis Sonntag (11.12.) steht in der Mediathek von Arte (sie heißt glaube ich Arte +7, es gibt sie auch als App) eine Dokumentation zur Verfügung über Rüge und die Entstehung des Romans zur Verfügung. Und man kann diese sogar hier einbinden:
Ich fand diese sehr spannend, da man dort Einiges zu Ruge, seiner Geschichte und den Vermarktungsmechanismen der Buchindustrie erfährt. Aufmerksam geworden bin ich auf den Film durch einen taz-Artikel.
Sonntag, 4. Dezember 2011
Ich will doch nur Zeitung lesen
Seit ein paar Tagen gehöre auch ich zu diesen Freaks, die ein iPad besitzen. Ob das Ding wirklich Hunderte Euro Wert ist, kann ich noch nicht sagen.
Was mich aber begeistert, ist wie viel Spaß es macht, einfach nur Zeitung zu lesen. Man bekommt zum Start ungefähr alle Blätter ein paar Wochen kostenlos, also Teste ich gerade FAZ, Tagesspiegel, Guardian, Welt... Außerdem erhalte ich die eZeitung meines Arbeitgebers kostenlos. Als Spiegel-Abo Inhaber (war ein Geschenk) lese ich den auch auf dem Tablet. Gestern habe ich die Zeit gekauft und heruntergeladen und gerade noch die geschätzte FAS für 2,99 Euro.
Was soll ich sagen? Ich liebe diese Art des Zeitunglesens. Klar, die Navigation durch die Blätter ist manchmal gewöhnungsbedürftig. Oft suche ich erstmal nach versteckten Features oder bewundere die tolle Qualität der Fotos, statt mich intensiv den Texten zu widmen - aber egal, das wird sich geben. Der Vorteil gegenüber Papier ist klar: Ich muss weder zum Kiosk noch zum Briefkasten laufen und - noch wichtiger - nachher nicht zur Altpapiertonne. Wenn ich Bock habe und Zeit, kaufe ich mir die FAZ, Zeit oder taz. Schwupp, schwupp alles drauf, ab in den Zug, Musik an und in Ruhe lesen. Perfekt.
Über die brandneue FAS-Apo wird gerade stark diskutiert. Christian Jakubetz etwa findet sie nicht sehr gelungen. Bei einigen Kritikpunkten hat er sicher recht, etwa bei dem Unsinn, dass Abonnenten keinen Rabatt bekommen. Aber die Kritik, dass Videos und andere Multimedia-Elemente fehlen, kann ich nicht teilen. Ganz einfach, weil sie mir nicht fehlen. Ich will Sonntagsmorgens eine Zeitung lesen. Ein Paket aus Texten und Bildern, schlau zusammengestellt, möglichst schlau geschrieben. Will ich Blinki-Blinki und interaktives Zeugs, geh ich ins Netz.
Beim Scoopcamp hat Jochen Wegner jüngst einen tollen Vortrag zu iPad Apps gehalten. Er hat zum Beispiel die ebnafalls von Jakubetz kritisierte FAZ-App gelobt. Was Jakubetz als popeligen PDF-Reader bezeichnet, bekam im Wegner-Vortrag ein Lob, weil die Benutzerführung klar ist und man das machen kann, was viele - auch ich - wollen: Einfach nur Zeitung lesen.
Wahrscheinlich macht die Zeit es mal wieder richtig: Alle spannenden Texte plus ein wenig Blinki-Zeugs. Da könnte man glatt Stammkunde der digitalen Version werden.
Was mich aber begeistert, ist wie viel Spaß es macht, einfach nur Zeitung zu lesen. Man bekommt zum Start ungefähr alle Blätter ein paar Wochen kostenlos, also Teste ich gerade FAZ, Tagesspiegel, Guardian, Welt... Außerdem erhalte ich die eZeitung meines Arbeitgebers kostenlos. Als Spiegel-Abo Inhaber (war ein Geschenk) lese ich den auch auf dem Tablet. Gestern habe ich die Zeit gekauft und heruntergeladen und gerade noch die geschätzte FAS für 2,99 Euro.
Was soll ich sagen? Ich liebe diese Art des Zeitunglesens. Klar, die Navigation durch die Blätter ist manchmal gewöhnungsbedürftig. Oft suche ich erstmal nach versteckten Features oder bewundere die tolle Qualität der Fotos, statt mich intensiv den Texten zu widmen - aber egal, das wird sich geben. Der Vorteil gegenüber Papier ist klar: Ich muss weder zum Kiosk noch zum Briefkasten laufen und - noch wichtiger - nachher nicht zur Altpapiertonne. Wenn ich Bock habe und Zeit, kaufe ich mir die FAZ, Zeit oder taz. Schwupp, schwupp alles drauf, ab in den Zug, Musik an und in Ruhe lesen. Perfekt.
Über die brandneue FAS-Apo wird gerade stark diskutiert. Christian Jakubetz etwa findet sie nicht sehr gelungen. Bei einigen Kritikpunkten hat er sicher recht, etwa bei dem Unsinn, dass Abonnenten keinen Rabatt bekommen. Aber die Kritik, dass Videos und andere Multimedia-Elemente fehlen, kann ich nicht teilen. Ganz einfach, weil sie mir nicht fehlen. Ich will Sonntagsmorgens eine Zeitung lesen. Ein Paket aus Texten und Bildern, schlau zusammengestellt, möglichst schlau geschrieben. Will ich Blinki-Blinki und interaktives Zeugs, geh ich ins Netz.
Beim Scoopcamp hat Jochen Wegner jüngst einen tollen Vortrag zu iPad Apps gehalten. Er hat zum Beispiel die ebnafalls von Jakubetz kritisierte FAZ-App gelobt. Was Jakubetz als popeligen PDF-Reader bezeichnet, bekam im Wegner-Vortrag ein Lob, weil die Benutzerführung klar ist und man das machen kann, was viele - auch ich - wollen: Einfach nur Zeitung lesen.
Wahrscheinlich macht die Zeit es mal wieder richtig: Alle spannenden Texte plus ein wenig Blinki-Zeugs. Da könnte man glatt Stammkunde der digitalen Version werden.
Freitag, 4. November 2011
"Schön" hier
Endlich mal wieder was "ironisches" hier. Anders lässt es sich angesichts solcher Entwicklungen rund um die neuen Allzweck-Sündenböcke "gewaltbereite Fußballfans" auch kaum noch aushalten. Mal was anderes zum Thema liest man bei Schwatzgelb oder auch bei den Ruhrbaronen.
Montag, 3. Oktober 2011
Walk on, walk on
Gerade habe ich beim Aufräumen in der August-Ausgabe der Brand eins einen starken, mutmachenden Text von Oliver Fritsch gelesen. Es geht um den Kampf der Hartplatzhelden gegen den Württembergischen Fußball-Verband. Darum sich nicht einschüchtern zu lassen, nicht aufzugeben.
Glücklicherweise stellt Brand eins seine Texte nach Erscheinen einer neuen Ausgabe ins Netz. Zum Text geht es hier entlang.
Glücklicherweise stellt Brand eins seine Texte nach Erscheinen einer neuen Ausgabe ins Netz. Zum Text geht es hier entlang.
Donnerstag, 29. September 2011
Storify vom Scoopcamp 2011
Montag, 29. August 2011
Nach Paris, ein Filmtipp
Die Sommerpause in diesem Blog hat etwas länger gedauert. Unter anderem waren wir in den Ferien in Paris. Da trifft es sich doch gut, dass Woody Allen - von dem ich bisher quasi nix gesehen habe - einen wunderbaren, netten Film gemacht hat, der komplett in Paris spielt und ein echter Tipp ist. Ein bisschen Magie, ein bisschen Weisheit, ein bisschen Humor und Romantik ist natürlich auch dabei. Midnight in Paris läuft in Münster im Moment im Schlosstheater, in dem man vorm Film auch wunderbar Kleinigkeiten essen und Wein trinken kann. Lohnt sich (8/10).
Labels:
Filme
Freitag, 22. Juli 2011
Als Weltmeisterin die Zeitraffer-App getestet
Im Urlaub lass ich meine weibliche Seite raus und fühle mich als Weltmeisterin. Gestern habe ich mir bei der Bahn den Weltmeisterinnen-Pass gekauft, mit dem auch Mann einen Monat lang mit jedem Zug kreuz und quer durchs Land reisen kann. Das habe ich dann auch gleich ausprobiert und in der DB Lounge in Frankfurt die App namens Zeitraffer getestet. Klar mit Gutjahr-Stativ und etwas Unterleg-Musik wäre es besser, aber immerhin.
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