Donnerstag, 15. November 2007

Tote Bäume abschaffen?

Wie geht's weiter mit der guten alten Tante Zeitung? Stirbt sie in Amerika im April 2040 aus, zumindest in der gedruckten Form?

Könnte eine Qualitätszeitung wie die NY Times oder die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) allein im Internet überleben? Am Beispiel der NZZ hat der Schweizer Andreas Göldi das mal durchgerechnet. Der Verlag spart all die teuren Druckmaschinen, Drucker, das Papier, die Farbe, all die LKWs, Vertriebsmenschen und Zeitungsausträger - und kassiert ganz in Ruhe die schönen Werbeeinnahmen im Netz...

Sein ernüchterndes Ergebnis: Ein dickes Minus auf dem NZZ-Konto. Nur wenn es gelänge, 80 Prozent der Werbeeinahmen ins Internet herüber zu ziehen, würd's funktionieren. Illusorisch. Sagt zumindest Göldi.

Hat der böse Rupert Recht?


Andere sehen das scheinbar anders. Rupert Murdoch, der jüngst das Wall Street Journal gerkauft hat, zum Beispiel:

"What if, at the Journal, we spent $100 million a year hiring all the best business journalists in the world? Say 200 of them. And spent some money on establishing the brand but went global — a great, great newspaper with big, iconic names, outstanding writers, reporters, experts. And then you make it free, online only. No printing plants, no paper, no trucks. How long would it take for the advertising to come? It would be successful, it would work and you'd make ... a little bit of money. Then again, the Journal and the Times make very little money now."

Das hat er den Reportern von Time in den Block diktiert.

Mittelweg des Guardian


Aber vielleicht liegt die Zukunft auch irgendwo dazwischen. Der Guardian zeigt zum Beispiel, wie er seine gut frequentierten Internet-Inhalte im Print nutzbar macht. Wer sich auf der Fahrt aus dem Büro mal eben mit den aktuellsten Guardian-Nachrichten versorgen will, der schmeißt den Büro-Drucker an und druckt sich seine frisch aktualisierte Zeitung aus.

Kommentare:

journalistentraining hat gesagt…

ist ja ganz einfach: wenn die zeitungen jedes jahr 2 bis 3 prozent auflage verlieren, dann ist in spätestens 20 jahren schicht, weil es sich einfach nicht mehr lohnt. also: alternativen müssen her!

Foncy hat gesagt…

Ach was, die Zeitungen jammern doch auf hohem Niveau. Ich möchte mal in der Wirtschaft eine Branche finden, die seit Jahrzehnten zwischen 10 und 20 Prozent Rendite einfährt. Das Problem ist doch, dass trotzdem keine festen Stellen eingerichtet werden. Mit Qualität stoppe ich auch irgendwann den Auflagenverlust.

Joachim Blum hat gesagt…

Es heißt zwar Newspaper, aber entscheidend ist die erste Silbe. Warum müssen Redakteure eigentlich auf Papier veröffentlichen?

Petzi hat gesagt…

Sie sollten das Papier nur nicht unterschätzen. Bücher wurden auch schon totgeschrieben.

m. hat gesagt…

Ich frage mich immer, ob es vielleicht auch mal ohne Info geht. Entspannung kann man ja schon abhaken. Man denkt ständig, dass man informiert sein müsste. Selbst im Urlaub. Irgendwie uncool...

Karla hat gesagt…

Ich glaube nicht, dass ich das Aussterben der gedruckten Zeitung erlebe.

Joachim Blum hat gesagt…

@karla: Ich glaube und hoffe das auch nicht, aber die gedruckte Zeitung wird sich erheblich von der heutigen unterscheiden: in punkto Auflage, Inhalte, Publikum. Auch werden sich die Zeitungen erheblich unterscheiden: Gratis-Zeitungen, Regionalzeitungen, Überregionale Zeitungen.

oko hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
oko hat gesagt…

@m:

Hmm ohne Infos geht's einfach nicht mehr. Besonders für News-Junkies wie uns.

Für viele geht's halt leider trotzdem ohne Infos..."over-newsed but under-informed"...Weil im Nachrichtendschungel keiner mehr durchblickt...