Samstag, 7. März 2009

Wie verhält sich Zeitung, wenn die Nazis marschieren?

Heute gab es in Osnabrück eine NPD-Demo. 150 Nazis, tausende Gegendemonstranten - so weit, so gut. Ich habe mir gerade den Live-Ticker der Osnabrücker Monopolzeitung "Neue OZ" angeschaut und weiß nicht, was ich davon halten soll. In schönster Kommentarmanier lässt der Autor den Leser wissen, wie schlimm er die Nazis findet, wie unerträglich ihre Parolen etc. pp. Krönung des Ganzen: Ein Video-Kommentar des NOZ-Stadtredaktionschefs, bei dem dieser eine Anti-Nazi-Button am Revers trägt.

Als Volo habe ich folgendes Zitat von Journalisten-Legende Hajo Friedrichs eingebläut bekommen:
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“.

Sind die Kollegen also keine guten Journalisten? Ich bin unentschieden, auch weil ich Anne Wills Interpretation dieses Satzes gelesen habe.

p.S.: Meinen wertenden Eingangssatz kann ich natürlich nur als Privat-Blogger so schreiben - oder halt als Kommentarschreiber.

Kommentare:

Joachim Blum hat gesagt…

Da irren Sie sich leider, Herr Koch. So, wie Sie das Zitat auslegen, dürfte ein Journalist keinen Kommentar zu einem Thema schreiben, also keine subjektive Wertung eines Sachverhalts vornehmen. Friedrichs ging es eher um eine unreflektierte Identifikation, die den unabhängigen und kritischen Blick auf den Sachverhalt verstellt und so in eine tendenziöse Berichterstattung münden kann.
Ich halte es für absolut erforderlich, dass eine Zeitung, dass ihre Redakteure Position beziehen. Das gilt um so mehr, wenn es sich um Rechtsradikale handelt. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit gemein machen zu tun.
Die publizistische Aktion der NOZ mit Live-Ticker und Video-Kommentar halte ich für eine vorbildliche Nutzung des Internet für die aktuelle Berichterstattung. Kann sich die MZ eine dicke Scheibe abschneiden.
Nichts für ungut!
Herzliche Grüße
Joachim Blum

oko hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
oko hat gesagt…

Hmmm...Ich habe das doch gar nicht gewertet sondern geschrieben, dass ich mir nicht sicher bin.

Zum dicke Scheibe abschneiden: Live-Tickern gehört bei uns zum Alltag (zuletzt live aus Brüssel http://www.muensterschezeitung.de/lokales/muenster/top/Topnews;art17120,490922 , zuvor Bürgerbegehren etc.). Video-Kommentar halte ich für ein etwas skurriles Ding, denn wwelchen Mehrwert bringen bewegte Bilder für einen Kommentar. Wäre das ein geschriebener Text, wäre der Inhalt doch der gleiche (nur der Button wäre nicht zu sehen).

oko hat gesagt…

Mal sehen ob der Link zum Live-Ticker jetzt klappt...

Joachim Blum hat gesagt…

Hallo Herr Koch,
bitte nicht nervös werden.

Alle meine Ausführungen bezogen sich auf den Ticker und das Video der NOZ zum NPD-Aufmarsch.

Die "Scheibe abschneiden" sollte auch nur heißen, dass die NOZ hier vorbildhaft gearbeitet hat. Das war keine Kritik an der MZ.

Ihr Hinweis auf den Button ist genau der feine Unterschied zum Text. Und man sieht natürlich auch den Kommentator, hört Nuancen und Betonung seiner Stimme und seine Mimik. Ich mag auch keine Video-Kommentare à la Tagesthemen, aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme.

Im Übrigen ist alles dies von mir subjektiv wie Ihr Blog. Ich mochte schon die NSDAP nicht, obwohl ich sie nicht miterlebt habe, und ich mag die NPD nicht und sympathisiere halt mit ihren Gegnern. Wahrscheinlich gibt es da viel Übereinstimmung zwischen uns.

Alles Gute!

oko hat gesagt…

Nervös? Auf keinen Fall.

Ist doch gut, dass die Kollegen inzwischen online wichtiger nehmen, als noch vor ein paar Monaten. Stefan Niggemeier zur NOZ beim Kirchentag.